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Straßenbahndampflok 4 "Rur"

Fahrzeugdaten

  • Achsanordnung
Bn2t, Innentriebwerk
  • Hersteller
Henschel und Sohn, Kassel
  • Fabrik-Nummer
5276
  • Baujahr
1899
  • Dienstgewicht
15,6 t
  • Länge über Kasten
4350 mm
  • Achsstand
1400 mm
  • Raddurchmesser
750 mm
  • Höchstgeschwindigkeit
20 km/h
  • Leistung
70 PS
  • Zylinderdurchmesser
225 mm
  • Kolbenhub
300 mm
  • Rostfläche
0,64 qm
  • Heizfläche
24,2 qm
  • Kesseldruck
14 bar
  • Kohlevorrat
0,5 t
  • Wasservorrat
1,0 cbm
  • Bremsausrüstung
Fußbremse, bei Lieferung auch Dampfbremse
  • letzte Betriebsverwaltung
Papierfabrik Schöller, Düren-Birkesdorf
  • bei der Selfkantbahn seit
1977, erworben 1973
  • Status
seit September 2013 in Aufarbeitung bei Alan Keef Ltd., Ross-on-Wye (Großbriannien)

 

 

Die Lokomotive ist seit dem 19. September 2013 Eigentum von Wim Pater, Winschoten (NL) und wird nach ihrer betriebsfähigen Aufarbeitung zur Selfkantbahn zurückkehren.

Fahrzeuggeschichte

Kastendampfloks der Dürener Dampfstraßenbahn

Speziell für Straßenbahnen und Kleinbahnen, die den Straßenraum mitbenutzten, wurde die Bauart der vollverkleideten Kastenlokomotive mit Innentriebwerk und Abdampfkondensator entwickelt. So wollte man Unfallgefahren,das Scheuen von Pferden, Verschmutzungen des Triebwerks durch den Staub der Straße und Belästigungen der Anlieger eindämmen. Einer der wichtigsten Lieferanten solcher Trambahnloks war die Lokomotivfabrik Henschel & Sohn in Kassel. Dutzende von Henschel-Lokomotiven verschiedener Spurweiten fuhren auf Straßen- und Kleinbahnen in Deutschland sowie auf den unseren Kleinbahnen vergleichbaren Überlandbahnen in den Niederlanden.

Die meterspurige Dürener Dampfstraßenbahn nahm 1893 zwischen Düren und dem nördlich gelegenen Birkesdorf den Betrieb auf und wurde bis 1927 in mehreren Abschnitten bis Inden verlängert. Die letzten Kilometer dieser 1966 stillgelegten Strecke sind samt den zugehörigen Ortschaften ab etwa 2010 im Verlauf des Braunkohlentagebaus Inden der RWE Power abgebaggert worden.

Die Dürener Dampfstraßenbahn (ab 1938: Dürener Eisenbahn [DEAG]) beschaffte bis 1907 bei Henschel nach und nach insgesamt elf weitgehend baugleiche zweiachsige Kastenlokomotiven, zu denen sich 1912 noch zwei dreiachsige Exemplare gesellten. Nach der Elektrifizierung 1913 wurden die Dampfloks fast nur noch für den Güterverkehr benötigt, überlebten für diesen Verkehr aber erstaunlich lange, nämlich teilweise bis nach dem zweiten Weltkrieg.

birkesdorf-1936
Fotos der RUR aus der Zeit ihres Einsatzes bei der Dürener Dampfstraßenbahn sind rar. Hier ist sie im Jahre 1936 in Birkesdorf zu sehen. Die Stirnwandtür dient nicht dem Übergang des Personals (so etwas gab es auch), sondern dem Zugang zur Rauchkammer.
(Foto: Sammlung Kenning)


Im Einsatz als Werkslok überlebt

Als einzige blieb die Lok 4 "RUR" erhalten, die 1942 an die Reflex-Papier-Fabrik F. H. Schoeller GmbH in Birkesdorf, einem der vielen Anschließer der DEAG, verkauft wurde. Für den Einsatz vor Strohzügen auf dem Werksgelände wurde sie zur feuerlosen Lokomotive umgebaut, das heißt, sie erhielt anstelle ihres rostgefeuerten Dampfkessels einen Speicherkessel, der an einer ortsfesten Dampferzeugungsanlage, die primär für die Papierherstellung benötigt wurde, mit hochgespanntem Dampf betankt wurde. Der Kessel stammte von der Aachener Firma Wilhelm Küsters Nachf. (Fabr.-Nr. 3079). In dieser Form war sie bis Ende der sechziger Jahre werksintern im Einsatz und überlebte damit die Betriebseinstellung der DEAG um mehrere Jahre. Anschließend wurde sie der Selfkantbahn überlassen.
 
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So, wie sie die Selfkantbahn 1977 erreichte, sah die RUR auch Ende 1961 schon aus. Alle rangierbedingten Beulen und kriegsbedingten Einschüsse waren schon da.
(Foto: Sammlung IHS)
 

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Die Namen der Lokpersonale (von denen einer wohl ein Rangierer gewesen sein wird) sind nicht überliefert. Ganz wichtig: das Weichenstelleisen neben der Führerstandstür, ohne das die stellgewichtslosen Straßenbahnweichen nicht umgestellt werden konnten.
(Foto: Sammlung IHS)
 

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In dieser Seitenansicht von Ende 1961 kann man bei genauem Hinsehen erkennen, daß die Lok tatsächlich in Betrieb war, denn es ist über dem Füllstutzen an der rechten Stirnwand ein Dampfwölkchen zu erahnen.
(Foto: Sammlung IHS)
 

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Bereits seit etlichen Jahren abgestellt war die RUR, als der Fotograf sie im Frühjahr 1972 besuchte.
(Foto: Günther Steinhauer)


Anfang 1973 kam sie von Birkesdorf zunächst zum Betriebshof Weeserweg der Krefelder Straßenbahn, weil vorgesehen war, sie - nach Rückbau zu einer rostgefeuerten Lok - zum Doppeljubiläum "600 Jahre Krefeld" und "90 Jahre Crefeld - Uerdinger Localbahn", der sogenannten Krefeldiade, im Frühjahr 1973 einzusetzen. Dieses Vorhaben stellte sich nun doch als zu ambitioniert heraus (ersatzweise kam die bereits betriebsfähige Selfkantbahn-Lok 20 dort zum Einsatz), und so verbrachte die Lok noch mehrere Jahre in Krefeld, bis sie schließlich im April 1977 die Gleise der Selfkantbahn erreichte.


Aktuelles

Seit 40 Jahren Museumsfahrzeug ...

Die im Herbst 2013 begonnene betriebsfähige Aufarbeitung der Lok RUR ist ein gleichermaßen unerwartetes wie spektakuläres Projekt, dessen Zustandekommen der Erläuterung bedarf.

Bei der Beschaffung der Lok durch die Selfkantbahn im Jahre 1973 war bereits eine Wiederinbetriebnahme vorgesehen, die noch im gleichen Jahr zum Doppeljubiläum "600 Jahre Krefeld" und "90 Jahre Crefeld-Uerdinger Localbahn" auf den Gleisen der Krefelder Straßenbahn stattfinden sollte. Ein neuer, ölgefeuerter Kessel sollte zu diesem Zweck "mal eben" gebaut werden. Man mag unsere Altvorderen ob dieser heute rührend anmutenden Naivität schelten, doch wäre das gänzlich unangebracht, denn ohne solche manchmal bizarr anmutenden und - aus heutiger Sicht - natürlich zum Scheitern verurteilten Vorhaben wären die entsprechenden Fahrzeuge vermutlich gar nicht erst beschafft worden, und es gäbe sie heute nicht mehr!

Den Part der RUR übernahm im Frühjahr 1973 in Krefeld die IHS-Lok 20, und die RUR stand noch bis zum April 1977 auf dem Gelände des Krefelder Straßenbahnbetriebshofes Weeserweg im Freien, bevor sie zur Selfkantbahn gelangte. Seither war es eigentlich für alle Selfkantbahner stets ein Ziel gewesen, daß die Lok wieder betriebsfähig werden sollte. Die Umstände und Randbedingungen hierzu wurden jedoch selten diskutiert. Ein rostgefeuerter Kessel mußte her, gewiß, denn ein Betrieb mit dem überlieferten Dampfspeicherkessel war unter den Verhältnissen der Selfkantbahn nicht denkbar. Eine kleine Delegation der IHS besuchte noch im Jahre 1977 die VÖEST-Alpine in Österreich, in deren Werk Donawitz noch 760-mm-Dampfloks im Einsatz waren, um die Eignung der dortigen Kessel für die RUR zu prüfen. Die erwiesen sich aber als zu groß.

Im Jahre 1986, als die Lok 21 der Selfkantbahn bei der OEG in Mannheim im Einsatz war, wurden Kontakte zum DGEG-Museum in Viernheim geknüpft. Dort gab es den zustandshalber außer Betrieb genommenen Kessel einer Krauss-Trambahnlok, den wir übernahmen und für einen späteren Einsatz auf der RUR in Schierwaldenrath hinterstellten, wo er auch heute noch steht. Dieser Kessel (Krauss 4278/1900) stammte von der für eine italienische Kleinbahn gebauten Lok "La Rimini", die heute mit einem anderen Kessel bei der schweizer Museumsbahn Blonay - Chamby fährt.

In den neunziger Jahren gab es dann erstmals brauchbare konzeptionelle Überlegungen, die über den bloßen Wunsch zur Inbetriebnahme hinausgingen. Doch hatten auch diese noch keine Handlungen zur Folge.

Die Lok stand derweil weitgehend unverändert in Schierwaldenrath. Bis Anfang der neunziger Jahre war sie unter freiem Himmel abgestellt, fand dann für eine kurze Periode Unterschlupf im 1990 eingeweihten Lokschuppen und ist seit 1996 in der Wagenhalle zu bewundern. Die schwarze Farbgebung, mit der sie in Birkesdorf im Einsatz war, wurde um die Jahrtausendwende durch eine grüne ersetzt, was als Farbfassung ihrer Zeit auf der Dürener Dampfstraßenbahn vermutet wird.


... und demnächst wieder betriebsfähig!

Es sind also inzwischen mehr als 40 Jahre verstrichen, die die Lok in der Obhut der IHS verbracht hat, ohne daß sich an ihrem Status etwas nennenswertes geändert hätte. Doch entsprach dieser nun gerade nicht dem angestrebten Zustand. Es sollte daher verständlich sein, wenn der IHS-Vorstand nach so langer Zeit die Gelegenheit beim Schopfe packte, die sich durch die Bekanntschaft mit Wim Pater aus den Niederlanden ergab. Der möchte die Lok auf seine Kosten in Großbritannien betriebsfähig herrichten und sie anschließend von der Selfkantbahn einsetzen lassen. Bedingung hierfür war der Verkauf der RUR an ihn, und der anschließende Einsatz sollte durch einen umfangreichen Vertrag sichergestellt werden.

Beides ist geschehen: die RUR wurde am Tage ihres Abtransportes (19. September 2013) für einen Euro verkauft und der Vertrag hierzu - nach juristischer Überprüfung - von Wim Pater, IHS e. V. und TBR GmbH unterzeichnet. Vertragsbestandteil ist nicht nur ein Kanon von Regeln für ihren späteren Einsatz auf der Selfkantbahn, sondern auch die Verpflichtung aller Beteiligten, für die beste denkbare Qualität bei der Aufarbeitung zu sorgen und schließlich die Absicht, baldmöglichst eine Stiftung zu gründen, die das Eigentum an der Lok übernimmt.
 
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Auf Wiedersehen in ein paar Jahren! Soeben wird die Lok auf dem niederländischen Tieflader abgesetzt, der außer der RUR als Beiladung auch einen zuvor in Plettenberg bei der Märkischen Museums-Eisenbahn aufbewahrten O-Wagen nach Ross-on-Wye bringt.
(Foto: Jan Kommans)


Die Vielzahl der bei der Selfkantbahn parallel laufenden und teilweise durchaus stagnierenden Projekte hat diese Entscheidung erleichtert. Eine Aufarbeitung mit eigenen Kräften und Mitteln erschien gegenwärtig unwahrscheinlicher denn je.

Wir sehen: auch für ein Museum ändern sich die Randbedingungen seines Handelns. Das in den Anfangsjahren der Selfkantbahn bisweilen angestrebte "mal eben" hat sich fast stets als undurchführbar erwiesen (und war doch oft die Basis für Jahrzehnte später einsetzende Aktivitäten), und dafür fallen Dinge, die früher undenkbar erschienen, auf einmal geradezu vom Himmel. Es ist Aufgabe des Vorstandes, seine Entscheidungen den sich stetig ändernden Verhältnissen anzupassen und das Richtige zum Wohle der Selfkantbahn und der ihm anvertrauten Museumsstücke zu tun. Im Falle der RUR haben wir keinen Zweifel daran, das getan zu haben, auch wenn sie nun nicht mehr der IHS gehört.
 
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Der erste deutsche Gast ist die RUR in der Werkstatt von Alan Keef Ltd. in Ross-on-Wye, hier nach ihrer Ankunft am 20. September 2013.
(Foto: Alan Keef Ltd.)
 

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Im November 2013 geben die demontierten Bleche der "Gillrather" Stirnseite den Blick auf eine der Kesselauflagen frei. Es ist nicht der Rauchkammersattel des rostgefeuerten Kessels, denn zum einen war dessen Rauchkammer auf der anderen Lokseite und zum anderen hatte der alte Kessel einen deutlich kleineren Durchmesser.
(Foto: Alan Keef Ltd.)
 

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Fast könnte man meinen, die RUR wäre schon wieder im Zusammenbau, doch zegt das Bild noch das Gegenteil.
(Foto: Alan Keef Ltd.)

© Interessengemeinschaft Historischer Schienenverkehr e. V.